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ZU DEN ARBEITEN VON STEFAN WEHMEIER

Die künstlerische Heimat Wehmeiers liegt ursprünglich in der informellen und gestischen Malerei. Diese abstrakte Kunstrichtung will eine gewisse Art von Sinnlichkeit vermitteln und die Prozeßhaftigkeit des Malvorgangs offenlegen. Teilweise ausgehend von den Begriffen "Natur", "Landschaft" oder "Form" entwickeln sich Stefan Wehmeiers Bilder langsam und in langwierigen Arbeitsprozessen. Schicht um Schicht wird die Farbe aufgetragen, bis die Exponate eine schrundige und zerfurchte Oberflächenqualität haben. Jedoch steht nicht die reale Landschaft im Sinne eines Abbildes im Zentrum des Schaffens, sondern Natur als ein Ereignis mannigfaltiger Strukturen und Bewegungen. Das Mittel zur Umsetzung dieser Auffassung ist die Farbe als eine greifbare, beinahe plastische Materie. So hat man immer wieder Bilder vor Augen, die aufeinander bezogen sind und auseinander hervorgehen. Bilder also, die einen künstlerischen Pendelgang zwischen dem Wagnis Freiheit und der Zurückhaltung dokumentieren.

Textauszüge: Christine Hamel (Süddeutsche Zeitung) & Johannes Simon (Münchner Merkur), 1997


MALERISCH-INTUITIVE MOMENTAUFNAHMEN

Fast alle Arbeiten Stefan Wehmeiers wirken zunächst wie gestisch-spontane Zeugnisse erlebter Natureindrücke. Abstrakte Felsformationen, Erdverschiebungen, wucherndes Wurzelwerk, Geäst, rissige Oberflächen, Aufwölbungen oder Aushöhlungen werden formal gebannt und neu interpretiert. Landschaftliche Bezüge sind spürbar, ohne dass Wehmeier eine konkrete Gegenständlichkeit vorgibt. Bei seinen Farblandschaften steht nicht im Vordergrund, das Gesehene statisch-stagnierend in Form einer Momentaufnahme einzufangen, sondern Natur in ihrer Lebendigkeit, Vielfältigkeit und unberechenbaren Veränderung malerisch-intuitiv zu erfassen. Es geht also weniger um eine Präsentation der Dinge in ihrer konkreten Wirklichkeit, sondern vielmehr um die Möglichkeit, in einem höheren Maße Raumstaffelung und Vielschichtigkeit innerhalb eines autonomen Bildwerks zu erreichen. Das Ergebnis ist ein malerisch-ästhetisch geschaffener abstrakter Raum, der als solcher wieder so wirklich scheint wie die Natur.

Pia Dornacher in Katalog "Pasano", 2002


ABSTRAKTE LANDSTRICHE

Landschaft und Natur im weitesten Sinne bestimmen das künstlerische Arbeiten von Stefan Wehmeier. Mit dem Titel "Landstriche" bezeichnet der Künstler eine Reihe von Zeichnungen, die in sensiblen Strichen flüchtige Reflektionen auf Landschaftseindrücke skizzieren. Doch beschreibt der Begriff zugleich das Charakteristische seiner neuen Papierarbeiten und Leinwandbilder: Die aus der Geste resultierende Strichführung mit Pinsel oder Oil-Stick lässt imaginäre Räume von landschaftlichem Charakter entstehen. Von der Entwicklung seiner Leinwandbilder inspiriert, besteht die Zeichnung im Oeuvre Stefan Wehmeiers seit Ende der 90er Jahre als eigenständiges Medium neben der Malerei. Seine Landstriche spiegeln innere Bilder wider, denen der Künstler suchend in zahlreichen Metamorphosen nachspürt.

Gudrun Szczepanek, in Katalog "Landstriche", 2006